Zu den Arbeiten
Betrachtet man die neuen Arbeiten von Thomas Volkmann fällt einem als erstes auf,
dass sich seine Farbpalette verändert hat. Das in den letzten Jahren überwiegend
eingesetzte Schwarz ist einer hellen, teilweise schon grellen Farbigkeit gewichen.
Darüber hinaus sind auch die von ihm seit Jahren ins Zentrum seiner Bilder
gerückten – oftmals weit aufgerissenen – Münder beinahe vollständig aus dem Werk
verschwunden. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern haben sich seine
Motive einer Metamorphose vollzogen. Eine leichtere, wenn auch ironische Sicht auf
die Dinge steht nun wieder im Mittelpunkt seines Schaffens.

Eine Assoziationskette aus Literatur, Mythologie und Geschichte wird mit collage-
artigen Eingriffen und diversen Zitaten verwoben. Ein auf den ersten Blick verwirrend
erscheinender Kosmos erschließt sich sobald man sich darauf einlässt. Volkmanns Werke
sind eine Herausforderung für den Betrachter aber auch ein intellektuelles Vergnügen.

Darüber hinaus zeigt Thomas Volkmann Übermalungen von Fotografien einer
Tanzperformance zu Oscar Wildes „Salome“. Die Performance, aus der diese Werke
entstanden, wurde während der Dortmunder Museumsnacht aufgeführt.

In der zeitgenössischen Kunst wird das Schönheitsideal immer wieder kritisch
hinterfragt – so auch in der aktuellen Serie von Maike Reininghaus, die sie gemeinsam
mit Thomas Volkmann geschaffen hat. Grundlage für jedes Werk ist ein gezeichnetes
Portrait, das sich mal mehr, mal weniger entfremdet in den Arbeiten wiederfindet.
In den einzelnen Werken finden sich Querverweise zu Hieronymus Boschs
Höllendarstellungen, dem Literaten William S. Burroughs, dem androgynen
Avantgarde-Musiker Marylin Manson wie auch zur biblischen Salome-Erzählung.
Maike Reininghaus transferiert die Symbiose aus Kunst und Schönheitsideal in die
Neuzeit.

Die Arbeiten von Jürgen Schubbe konzentrieren sich auf den Menschen. Ihm geht
es dabei nicht um ein realistisches Abbild oder das Festhalten von äußerlichen
Merkmalen. Die Köpfe und Gesichter, die häufig das Format seiner Bilder füllen,
bieten dem Betrachter kein den konservativen Sehgewohnheiten entsprechendes
Porträt, sondern die Konfrontation mit einer Gestalt, die irritierende, bisweilen sogar
dämonische Züge trägt. Somit kommt es auch hier zu einem Dialog zwischen Werk
und Betrachter, zu einer Wechselwirkung zwischen dem Sehenden und dem Gesehenen.
Da aber das Werk aufgrund seines Sujets sein Gegenüber zu fixieren scheint,
bedeutet dies eine ganz unmittelbare Hinterfragung des Betrachters, seiner Rolle
als sehendem Subjekt und somit auch weitreichenderer, scheinbar selbstverständlicher
Annahmen des menschlichen Seins.

Schubbe stellt den Menschen ins Zentrum seines Schaffens und fordert durch seine
Werke den Betrachter zu einer intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst.
Der Mensch als Bildinhalt wird gleichsam zum gesellschaftlichen und psychologischen
Werkzeug und wirkt somit auf den (sich selbst) betrachtenden Menschen dialogisch ein.

Die neue Serie der Künstlerkooperation KANIA.VOLKMANN mit dem Titel EGOLAND
besteht aus Objekten, deren Grundform der Idee eines Legosteines entsprungen ist.
Die Objekte bieten unterschiedliche Ausgangspunkte, die miteinander in Verbindung
gebracht werden und zu unterschiedlichen Assoziationen reifen können.

Die „Häuser“ in Form von LEGO-Steinen aus Beton und Gips wirken in ihrer
Geradlinigkeit modern, durch ihre gebrochenen Kanten aber nicht wie eine
„Vorzeige-Siedlung“. Die Gebäude können auch stellvertretend für die Bewohner
gesehen werden – sie sind individuell (EGO) aber auch einförmig. Die Form der
abstrahierten LEGO-Steine hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Sie stehen sowohl
für Einfachheit als auch für Kreativität. Jeder, der in seiner Kindheit LEGO-Steine in
Händen hielt, assoziiert damit individuelle Erlebnisse. Der Titel „EGOLAND³ spiegelt
die Gesellschaft als Land der Egos. Jeder ist sich selbst der Nächste und ist vom
Wunsch nach Individualität geprägt und scheitert dabei kläglich.

Die Kunsthalle Südwestfalen dankt „Alles Werbung!“ für die Erstellung der
EGOLAND-Digitaldrucke.